Dienstag, 26. Juni 2018

Kryckeståt - der Brauch von der Prachtkrücke

Wir hatten am vergangenen Wochenende das große Glück, bei einem alten Brauch dabei sein zu dürfen! 😊

Der "Kryckeståt" ist in zwei Regionen von Schweden beheimatet: Das eine Gebiet umfasst Dalarna, Süd-West-Gästrikland, Nord-Uppland und das nord-östliche Västmanland. Zum anderen Gebiet gehören Småland und das südliche Östergotland.

Um Euch diesen Brauch zu erklären, muss ich ein bisschen ausholen...

Ganz früher musste man ja, wenn man heiraten wollte, in der Kirche das Aufgebot bestellen.
A. und B. sagten dem Priester/Pastor also, dass sie beabsichtigen zu heiraten. Dieser verkündete dann im Gottesdienst (ganz früher sogar in mehreren Gottesdiensten), dass A. und B. heiraten wollen, nun also verlobt sind. Diese Verkündung mit einer längeren 'Vorlaufzeit' hatte den Grund, dass eine zum Beispiel schon bestehende Ehe von jemand oder andere Ehehindernisse gemeldet werden konnten. Im schlimmsten Fall wurde es dann nichts mit der Hochzeit. 😒
Der Priester/Pastor rief also von der Kanzel hinunter A. und B.s Namen und ihr Anliegen im Gottesdienst. Der Humor der Menschen zur damaligen Zeit machte daraus, dass die beiden quasi von der Kanzel fielen und sich dabei ein Bein brachen. Nach dem Fall brauchten sie also, um gehen zu können, Stock und Krücke, oder wie es im Schwedischen heißt, 'käpp och krycke'. 😂
Und so kommt es, dass es heute dann und wann für die Verlobten eine krycke bzw. einen kryckståt gibt...

Im "Svensk uppslagsbok", der "Schwedischen Enzyklopädie", steht geschrieben: Das Wort "krycka" wurde in spielerischen Reden und Spielen zur Zeit der Verlobung/des Aufgebot-bestellens folgendermaßen verwendet: kryckebrev (Krückebrief), käpp och krycka (Stock und Krycke, kryckeståt (Prachtkrücke).
In unserem Fall war es ein "kryckeståt", begleitet von Menschen in Kleidung der damaligen Zeit. 😊

Ganz im Sinne der alten Tradition kam zuerst kam ein Wägelchen, welches von einem Kaltblüter gezogen wurde, und in dem unter anderem der 'Pfarrer' saß.


Dann folgte der Wagen mit der "Prachtkrücke".


Beide Kaltblüter waren sehr schön zurecht gemacht...


Dann sprach der Pfarrer zum (eigentlich zukünftigen, in unserem Fall zum schon verheirateten) Brautpaar. Er gab ihnen -mit einem Augenzwinkern- Tips für die Ehe. Hinter ihm steht die Hebamme, die für den Eintrittsfall ihre Hilfe anbot. Auch der Lehnsherr sprach ein paar Worte.


Dann ging es ans Aufstellen der Kryckeståt.


Hier waren traditionelle Hilfsmittel...


...und viel Manneskraft gefragt.



Der Baum wird nach oben y-förmig und steht dafür, dass aus Zweien Eins wird. Geschmückt ist der Stamm mit Blumen und den Initialen der Brautleute. Wunderschön sah das aus!


Nach dem Aufstellen wurde aufs Brautpaar angestoßen. Skål!
Und dann wurde gemeinsam gesungen, gegessen, getrunken und getanzt...gaaanz lange.
Es war ein schöner Abend!
Tack för inbjudan, Mats och Annica! 😊 Och tack för en underbar kväll! 😊

Herzliche Grüßels von Anneke

PS: Hier noch einmal Bilder der beiden Ardenner. Sie heißen Rufus und Pigall. (Leider weiß ich nicht mehr, wer wer ist.)
Jonas von "Rossberga Hästkrafter" gefällt es, alte Traditionen zu erhalten. Und so machte er nicht nur beim "Kryckeståt" mit, er setzt seine Pferde sonst auch im Wald und in der Landwirtschaft statt Traktoren ein.




Kommentare:

  1. Wie toll ist das denn? So ein schöner Brauch mit lustigem Ursprung. Bei uns in Småland noch nie gesehen. :-(
    Danke für diese tolle Erklärung, den Bericht und die schönen Foto. Ich bin ganz verliebt in die beiden Kalties!
    Liebe Grüße
    Judith

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  2. Nun ja, es ist wie mit vielen alten Traditionen - sie verschwinden. :-(
    Um so schöner für uns, es erleben zu können, weil wir auf dem Land leben. (Der Liebste war übrigens bei der "Manneskraft" mit dabei. :-) )
    Das ist einer der Beiträge hier auf dem Blog, bei denen das Wörterbuch heiß gelaufen ist. ;-) Und der mich selbst richtig gefesselt und nicht losgelassen hat. :-)
    Viele Grüße zurück!
    Anneke

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